Großrevuen
Vom „Kabarett der Komiker“ zu den „Austrian Cavalcades“

In New York fanden neben den eher kleinen und gemütlichen Kabarettabenden in Kaffeehäusern und Restaurants rund 200 Großveranstaltungen – organisiert und durchgeführt von Wienern – statt. Dies waren zum einen Revuen mit Programmen, die Ernstes und Heiteres zum Inhalt hatten und sich bisweilen dem amerikanischen Vaudeville annäherten, zum anderen aber auch deutschsprachige Theaterabende, die dem klassischen Genre zuzuordnen sind, sowie Operettenabende. Neben Kurt Robitschek zeichneten Gert von Gontard, Leo Rice und Felix G. Gerstmann als Manager für unzählige Abende – von den „Austrian Cavalcades“, den „Star Parades“ bis hin zu „Wiener“ Abenden – mit österreichischen und deutschen Künstlern verantwortlich. Die Veranstaltungen fanden in so bekannten Häusern wie dem Pythian Theater, dem Mecca Temple – dem heutigen City Center, in dem bis in die 60er Jahre die New York City Opera beheimatet war –, der Town Hall und der Carnegie Hall statt.

Kurt Robitschek alias Ken Robey: Das „Kabarett der Komiker“
Kurt Robitschek wurde 1890 in Prag geboren und wuchs in Wien auf. Nach seinem Wirken im Wiener „Simplicissimus“ zog es ihn nach Berlin. Dort trat er in verschiedenen Berliner Kabaretts wie im „Charlott-Kasino“, im „Paprika“ und im „Palmenhaus“ auf.

Im Dezember 1924 gründete Robitschek schließlich gemeinsam mit Paul Morgan, Oscar Karlweis und Max Adalbert das „Kabarett der Komiker“, kurz auch „Kadeko“ oder „K.d.K.“ genannt, das zunächst in der „Rakete“ in der Kantstraße spielte. Ursprünglich plante Robitschek ein klassisches satirisches Kabarett, doch war er sich bewusst, dass sich damit kein Geschäft machen ließe. Ein Jahr später übersiedelten die „Komiker“ in ein Theater am Kurfürstendamm, 1928 schließlich in ein Theater am Lehniner Platz, das 950 Besuchern Platz bot.
Was war das Erfolgskonzept Robitscheks? Bereits im April 1926 hatte er entschieden, dass Tucholsky, Mehring und Weinert für seine Anliegen zu politisch waren. Sein Ziel war eine Mischung aus Kabarett, Vaudeville und Theater, das Menschen aller politischen Richtungen, sozialer Klassen und Weltanschauungen ansprechen und Freude bereiten würde.

Kurt Robitschek hatte ein besonderes Gespür für Talente und sammelte einen Freundes- und Helferkreis um sich, zu dem Max Adalbert, Willy Prager, Curt Lipis, Friedl Schuster, Max Hansen, Paul Morgan, Fritz Grünbaum, Otto Wallburg, Max Ehrlich und der Bühnenbildner Hermann Krehan gehörten. Im Kadeko traten viele jener Künstler auf, die Robitschek im Exil wiedertraf und auch wieder engagierte.

Neben Schlagern wie „Eine kleine Miezekatze – hat se – aus Angora mitgebracht…“ oder „Komm in meine Liebeslaube“, „Zwei rote Rosen, ein zarter Kuss“, Liedtexten wie dem von Robert Stolz vertonten „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“, verfasste Robitschek Sketche und Conférencen. Bekannt wurden auch die Texte für Leopoldi-Schlager, darunter „Die Novaks aus Prag“, „An der schönen roten Donau“ und „Composers Revolution in Heaven“. Nach der NS-Machtübernahme flüchtete Kurt Robitschek in die Tschechoslowakei, dann nach Wien, wo er die Leitung der Kammerspiele übernahm und die „Bühne des Lachens“ gründete. Weiters inszenierte er neue Revuen in Paris und London.

1936/37 ging Kurt Robitschek nach New York und Hollywood. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, große Revuen auf die amerikanischen Bühnen zu bringen, fand schließlich am 22. Jänner 1941 unter Mitveranstaltung des New World Club das erste Auftreten des „Kabaretts der Komiker“, ab Herbst auch „Continental Comedy Theater“ genannt, in New York im heute noch wunderschönen alten Theatersaal des Mecca Temple statt. Laut offiziellen Angaben besuchten etwa 1.700 Personen diesen Abend, hunderte mussten abgewiesen werden.

Besonders amerikanischen Partnern und Veranstaltern gegenüber trat Robitschek auch als Ken Robey auf und veranstaltete unter diesem Namen Vaudeville-Abende und Tourneen. Er heiratete in New York Gerda Spitz, eine Schauspielerin des Kadeko. Robitschek starb am 16. Dezember 1950 in New York.

 

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